• Ökodorf Langenberg – Interview mit Birke Falkenroth

    Das Ökodorf Langenberg ist ein Versuch, ein ökologisch verträgliches, gemeinschaftliches und demokratisches Zusammenleben zu organisieren. Es liegt im Nordelsass, nördlich der Stadt Wissembourg und grenzt direkt an die deutsche Grenze. Im Rahmen unserer deutsch-französischen Energiewendewoche will das Ökodorf eine Mitmachbaustelle anbieten. Um einen besseren Einblick zu gewinnen, sprachen wir im Mai 2021 mit Bewohnerin Brike Falkenroth.


    Im Frühjahr 2019 wurde das Schloss Langenberg vom Verein «Association Langenberg» gekauft und seitdem zum Ökodorf umfunktioniert. Die Gemeinschaft wächst stetig und rechnet damit, eines Tages bis zu 50 Bewohnende zu umfassen.  Das erklärte Ziel der Gemeinschaft ist laut Birke, das Zusammenleben «im Einklang mit der Natur» um einen «[Lebensraum] zu schaffen, an dem die Natur erhalten werden kann». Birke hofft, dass das ökodorf Langenberg seinen Platz unter einer Vielzahl von ähnlichen Projekten findet und eine Gemeinschaft bildet, die weitere Gruppen motiviert, «die Idee auf[zu]greifen».

    Dafür wies sie auf die Koexistenz von Tieren, Menschen Pflanzen hin. So finden sich Bienen, Hunde, Hühner und Menschen wieder, die auf Wiesen, im Wald oder in den Gärten nebeneinander leben. Es existierte auch bereits vor der Übernahme ein kommerzieller Pferdestall, der von der Gemeinschaft weitergeführt wird. Der Gemüsegarten versorgt die Gemeinschaft mit frischer Nahrung und funktioniert «streng nach den Regeln der Permakultur».


    Um die Potenziale zu erkennen und Erfahrungen für andere potenzielle Ökodörfer zu sammeln, sprachen wir mit Birke auch über die praktischen Seiten des Zusammenlebens, den die ökologische Lebensweise steht im Mittelpunkt des Alltags im Ökodorf.
                Um Müll zu vermeiden, wird von der Gemeinschaft so Verpackungsarm wie möglich konsumiert. Das bedeutet, die Bewohnenden «bauen [ihr] eigenes Gemüse an, […] bestellen bei regionalen Bauern in Kisten, die in der folgenden Woche zurückgegeben werden» oder versuchen «so viel wie möglich unverpackt zu kaufen».

    Ebenso sind biologische Anbauweisen und kurze Lieferketten eine hohe Priorität bei der Auswahl von Lebensmitteln aber auch Baumaterialien. Obwohl nicht jedes Material auf dem Grundstück zu finden ist, «versucht die Gemeinschaft mit den Mitteln auszukommen» die sich vor Ort finden. Das reicht von Komposthaufen bis zur Nutzung des Holzes gefällter Bäume im Bau. Neben der kontinuierlichen Erweiterung des Gemüsegartens und der Schaffung neuer Waldgärten wird auch der Innenhof des Schlosses umgebaut.

    Um den immer wärmeren Sommertemperaturen zu trotzen, übt sich die Gemeinschaft in Klimaresilienz. So wird der Innenhof mit «so viel wie möglich Grünfläche» ausgestattet, um an warmen Sommertagen «Kühlung» in Form von Schatten und Verdunstung zu ermöglichen.

    Ebenso umfasst das Grundstück viel Waldfläche, bei der auch künstlich angelegte Flächen voller Monokulturen oder Bäume stehen «die hier gar nicht hergehören». Um die Wälder widerstandsfähiger gegen Klimaeinwirkungen und Schädlinge zu machen, wird also auch Waldumbau betrieben, «damit die Wälder auch länger stehen bleiben».
    Auch wenn es eine «Herausforderung ist, ohne Auto zu leben», verzichtet die Gemeinschaft so gut wie möglich auf Verbrennungsmotoren. Birke besitzt beispielsweise ein elektrisches Lastenrad, mit dem sie ihre Einkäufe erledigt. Weiterhin hat die Gemeinschaft viele Fahrräder, die zur freien Nutzung für alle Bewohnenden und Besucher*innen verfügbar sind. Ebenso liegt auf dem Grundstück eine Trinkwasserquelle, welche das Trinkwasser für die gesamte Gemeinschaft bereitstellt, dadurch sind es von der Quelle bis zum Glas tatsächlich nur wenige Meter.

    Um ein gemeinschaftliches Zusammenleben nachhaltig zu organisieren, bedarf es ausgeklügelter Prozesse. In der Gemeinschaft sind daher «alle gleichberechtigt und jede Meinung ist wichtig». Dafür arbeitet die Gemeinschaft «nach den Richtlinien des systemischen Konsensierens» und trifft dadurch Entscheidungen, die für alle Beteiligten annehmbar sind. Um diese Aushandlungsprozesse zu erleichtern, ist das «Besuchen eines Kurses in gewaltfreier Kommunikation» eine notwendige Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Projekt.

    Zum Abschluss fragten wir Birke nach Tipps für andere interessierte Gemeinschaften, die ebenso ein Ökodorf gründen wollen. Brike rät dazu, «es einfach zu machen», denn «es lohnt sich und macht Spaß». Für mehr Informationen oder Kontakt zum Projekt, finden Sie hier die Webseite des Ökodorfs.