KOOPERATIONSTHEMEN

Folgende Themen für eine deutsch-französische Kooperation im Bereich Energiewende wurden unter anderem identifiziert. 

 


SENSIBILISIERUNG DER BEVÖLKERUNG – „ENERGIE-NACHBARSCHAFTEN“ 

 

„Familles à Energie Positive“ ist der Name eines Wettbewerbs, der in ganz Frankreich in Städten und Gemeinden durchgeführt wird. Entwickelt und seit 2008 koordiniert wurde diese Energiespar-Wette vom Verein Prioriterre. Zunächst werden Freiwilligenteams gebildet. Häufig sind dies Familien, die von einem Kapitän angeführt werden. Diese Teams gehen die Wette ein, ihre Energie- und Wasserverbräuche um mindestens 8 % zu senken, insbesondere während der Wintermonate von Dezember bis Ende April, und zwar einzig und allein durch das Beherzigen von Energiespar-Tipps im Alltag.

Zahlreiche französische TANDEM-Kommunen nehmen an den Wettbewerb teil. Die Ettlingen-Konferenz von Oktober 2016 hat das Interesse von deutschen TANDEM-Kommunen an dieser Kampagne bestätigt. Es besteht Aussicht auf eine Verbreitung des Konzeptes in Deutschland.

 

Weitere Informationen darüber in der Präsentation von Pascaline Pin, Prioriterre (Ettlingen 2016).

 


SCHUL- UND UMWELTBILDUNGSPROJEKTE

 

Zahlreiche Schüleraustauschprogramme werden jährlich zwischen deutschen und französischen Schulen durchgeführt und Schulprojekte erfreuen sich im Bereich Klima und Energie in beiden Ländern großer Beliebtheit.

Mehrere TANDEM-Städte haben Parallel den Austausch in diesem Bereich angefangen, wie z.B. Epernay und Ettlingen oder Nürnberg und Nice mit dem Projekt KEiM (Keep Energy in Mind). Das KEiM-Projekt würde durch die Stadt Nürnberg initiiert. Das ist ein Energie- und Wassersparprojekt, das durch monetäre Prämien in unterschiedlichen Wettbewerben SchülerInnen und LehrerInnen zur Änderung des Nutzungsverhaltens animiert.

Bei der Ettlinger Konferenz im Oktober 2016 wurde über weitere einfach umsetzbare Kooperationsprojekte diskutiert. Zwei Projektideen, fanden besonderen Zuspruch: ein stromfreier Tag und der Bau eines Solarkochers. Zusätzlich wurde angeregt eine deutsch-französische Komponente  an dem KEiM-Projekt zu integrieren.


Weitere Informationen darüber in dem Themenpapier „ Schul- und Umweltbildungsprojekte “ und in der Präsentation des KEiM-Projektes von Wolfgang Müller (Ettlingen 2016). 

 


QUARTIERS- UND GEBÄUDESANIERUNG 

 

Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland beschäftigen sich die Kommunen intensiv mit der Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebestand. Hierfür bietet sich eine große Bandbreite von Maßnahmen an, von der Erstellung von Quartierskonzepten über die Energieberatung bis  hin zur Vernetzung der lokalen Bauschaffenden, eigenen Förderprogrammen und Sensibilisierungskampagnen.

Die Bürgerberatung oder die gezielte Ansprache von Wohneigentümergemeinschaften (WEGs) – in beiden Ländern eine schwierige Zielgruppe – wurden in einigen TANDEM-Partnerschaften bereits thematisiert. Der quartiersbezogene Ansatz, der in Deutschland durch die entsprechende Förderung der KfW zurzeit sehr verbreitet ist, findet in Frankreich kein genaues Pendant, bietet dennoch ein interessantes Thema für den Austausch.


Weitere Informationen darüber in den Themenpapiere „ Quartierssanierung “ und

Energieeffizientes Bauen und Sanieren “ 

 


DIE BEKÄMPFUNG DER ENERGIEARMUT


Die Bekämpfung der Energiearmut, scheint in Frankreich brisanter zu sein als in Deutschland. Das Netzwerk RAPPEL (Réseau des Acteurs de la Pauvreté et de la Précarité dans le Logement) wurde 2007 gegründet, um den Austausch zwischen den in diesem Bereich tätigen Akteuren zu fördern. In Deutschland beschäftigt sich das bundesweite Projekt „Stromspar-Check“ seit 2009 mit der Energieberatung einkommensschwacher Haushalte.

Die Städte Freiburg und Besançon haben sich über die Bekämpfung der Energiearmut bereits ausgetauscht. Beim TANDEM-Treffen im Oktober 2016 stellte die Stadt Pau ihre geplanten Aktivitäten in diesem Bereich  vor. Das Thema stieß auf großes Interesse seitens der TeilnehmerInnen und soll im Rahmen der zweiten Projektphase von TANDEM weiter vertieft werden.


Weitere Informationen darüber in der Präsentation von Aurélie Delbigot, Ballungsraum Pau (Ettlingen 2016)

 


DER EXERGIEAUSWEIS – EIN WERKZEUG ZUR QUALITÄTSSICHERUNG VON EFFIZIENZANALYSEN


Exergie ist eine physikalische Größe und kann als Produkt aus Energie und Energiequalität verstanden werden. Dabei ist die Energiequalität ein Maß dafür, wie gut die Energie in elektrischen Strom umgewandelt werden kann. Ganz vereinfacht kann Exergie somit als Stromäquivalent verstanden werden. Somit lassen sich alle Technologien ohne „willkürliche“ Festlegungen mit Hilfe einheitlicher Kennzahlen bewerten.

Der Exergieausweis ist ein Werkzeug, welches erlaubt Sanierungsoptionen transparent darzustellen , fundiert zu vergleichen und die Entscheidung für eine optimale Sanierungsvariante gut begründet zu treffen. So kann Geld gespart und der Umweltnutzen vergrößert werden.

Im Kontext der deutsch-französischen Zusammenarbeit bietet der Exergieausweis einen Ansatz, unabhängig von nationaler Gesetzgebung Effizienzanalysen durchzuführen. Herten und Arras haben sich des Themas in ihrer Partnerschaft angenommen.


Weitere Informationen darüber in der Präsentation von Andrej Jentsch (Ettlingen 2016) 

 


FINANZIERUNGSMODELLE FÜR DIE GEBÄUDESANIERUNG


Die Mobilisierung der Einsparpotentiale im Gebäudebestand stellt beide Länder vor großen Herausforderungen. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wurden Beratungsstrukturen geschaffen und Instrumente zur Drittfinanzierung entwickelt.

Eine genauere Untersuchung dieser Ansätze und deren Erfolge wäre ein wichtiger Schritt, um die deutsch-französische Kooperation in diesem Bereich zu fördern.

Die Beteiligung von Energiegenossenschaften an Effizienzprojekten könnte zukünftig ein interessantes Kooperationsthema darstellen, zumal in beiden Ländern spezielle Fördermittel abgerufen werden können.

 


ENERGIEVERSORGUNG UND BÜRGERENERGIEGENOSSENSCHAFTEN


Im Bereich der Energieversorgungsstruktur zeigt sich eine große Diskrepanz: In Deutschland agieren beinahe tausend kommunale Versorgungsunternehmen spartenübergreifend. Zudem erfreut sich das Modell der Bürgerenergiegenossenschaften wachsender Beliebtheit.

Französische Kommunen verfügen über einen deutlich geringeren Handlungsspielraum bei der Gestaltung der lokalen Energieversorgung. Der Strommarkt befindet sich hauptsächlich in den Händen von wenigen (inter)national tätigen Konzernen. Gleichwohl gibt es in Frankreich auch vereinzelt lokale Energieversorger (insbesondere bei der Fernwärme) und zunehmend Bürgerenergiegenossenschaften, für dessen Bildung die Rahmenbedingungen durch das Gesetz zur Transition énergétique verbessert wurden.

Das deutsch-französische PV-Projekt mit 100 % Bürgerbeteiligung „Zusamme! Solar Colmar“ , bei dem eine französische und eine deutsche Bürgerenergiegenossenschaft gemeinsam investierten, scheint bisher einmalig zu sein.


Weitere Informationen darüber in der Präsentation von Zusamme! Solar von Marissa Walzer (Ettlingen 2016) und in der französischen Studie von IDDRI über Bürgerenergiegenossenschaften in Frankreich und in Deutschland.